Letzte Woche hat sie uns auch gepackt: die Abenteuerlust, die sich wie ein Lauffeuer verbereitet und scheinbar nicht aufzuhalten ist. Die Abenteuerlust, die normale Studenten wie uns dazu veranlasst das Couchpotatoe-Dasein aufzugeben, auf sämtlichen Luxus der zivilisierten Welt zu verzichten und mit Wanderschuhen und Rucksack ausgestatten mitten in die Wildnis zu wandern, um im Schnitt zwei Nächte in einem Holzverschlag zu verbringen, der weder über Strom noch über fließend Wasser verfügt. Und das nicht genug. Um diese, für manche Menschen sicherlich völlig unverständliche, Lust zu stillen, stehen Woche für Woche unscheinbare Studenten mittwochs zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens auf und stellen sich an der Uni in die Schlange, um auch ja eine der begehrten Hütten zu ergattern. Ihr könnt noch so ungläubig gucken, ich wollte es auch erst nicht glauben, aber als ich letzten Mittwoch um 6.10 das Unigebäude betreten habe, reichte das gerade mal zu Platz 10 in der Schlange. Trotzdem gelang es uns, eine für uns passende Hütte zu ergattern.
Los ging es dann letzten Freitag um kurz nach 14 Uhr. Unsere 9 Leute umfassende Wandergruppe (8 Deutsche, 1 Franzose) traf sich an der Bushaltestelle um Trondheim erst einmal weit hinter sich zu lassen. Mit dem Bus ging es etwa 1,5 Stunden nach Soknedal, einem kleinen Ort südlich von Trondheim. Pünktlich zur Ankunft im Nirgendwo verzog sich dann auch die Sonne und es fing leicht an zu regnen. Aber das macht echten Abenteurern natürlich nichts aus. Regenhose an, Kapuze auf, los gehts. Aber wohin? Ein Blick auf die Karte, ein Blick auf den Kompass und der Beginn unseres Weges war schnell gefunden. Frohen Mutes zogen wir los. Der erste Teil des Weges führte einen Pfad entlang. Zwar mussten wir einige Höhenmeter überwinden, aber insgesamt war der Weg keine größere Herausforderung. Nach etwa 2 Stunden mussten wir den Weg verlassen und den Rest querfeldein wandern. Die Stelle an der man den Weg verlassen sollte, war jedoch reichlich wage beschrieben. Trotzdem fanden wir uns anfangs gut zu Recht. Wir mussten einen schmalen Fluß queren und brauchten dafür eine ganze Weile. Um sicher zu sein, dass wir da waren, wo wir glaubten zu sein, orteten wir uns via GPS. Auch wenn wir jetzt genau wussten wo wir waren, dauerte es doch länger die Hütte zu erreichen als wir dachten. Abseits des Weges wechselten sich Sumpfgebiete mit dicht bewachsenen Hügeln ab und wir kamen nur langsam voran. Als wir nach einer weiteren Flußüberquerung in direkter Nähe der Hütte sein mussten, dämmerte es schon. Zum Glück standen wir dann plötzlich direkt davor. Wie aus dem Nichts war die gut getarnte Hütte vor uns aufgetaucht und alle waren froh, endlich da zu sein. Insgesamt haben wir 4 Stunden für den Weg gebraucht.
Die Hütte war dann aber einfach super. Kaum angekommen und aus den nassen Sachen raus, machten wir uns ans Einrichten und Essen kochen. Während zwei Leute an einem kleinen Bach Wasser holten, kümmerten sich die Übrigen um die Beleuchtung in Form von einer Öllampe und Kerzen, um den Ofen und um den Kocher. Das Feuer im Ofen war schnell entfacht, so dass es angenehm warm wurde. Der Kocher bereitete jedoch Probleme und wollte einfach nicht funktionieren. Zum Glück gab es eine Herdplatte auf dem Ofen, so dass wir schlussendlich doch noch zu unseren wohlverdienten Nudeln kamen. Da es schon spät und wir alle müde waren, krochen wir danach in unsere Betten, kuschelten uns in den Schlafsack und schliefen doch erstaunlich gut in der ungewohnten Umgebung.
Am nächsten Morgen konnten wir dann die Hütte zum ersten Mal bei vollem Tageslicht bewundern. Da es über Nacht doch sehr kalt geworden war, machten wir uns zuerst daran, den Ofen wieder anzubekommen. Nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf zu einer Wanderung. Als Ziel hatten wir und einen Gipfel des nahegelegenen Gynneldfjellet ausgesucht. Mit leichtem Gepäck, aber warm angezogen ging es los. Der Gipfel den wir erreichten war immerhin 973m hoch. Die Hütte selbst liegt auf 600m. Die Landschaft und die Aussicht waren aber einfach atemberaubend und entschädigten für jeden Höhenmeter. Ingsgesamt waren wir 4 Stunden unterwegs und es war wirklich toll. Und auch die Navigation funktionierte reibungslos und wir fanden die Hütte ohne Probleme wieder. Am besten zeig ich euch jetzt mal ein paar Fotos von der Wanderung: (Vielen Dank an die Fotografen, dass ich die Bilder verwenden darf!)
Da der einzige Bus von Soknedal sonntags erst um kurz vor 18.00h fährt, hatten wir auch am Sonntag noch genügend Zeit für ein reichhaltiges Frühstück. Vorher entschieden wir Mädels uns aber noch dazu, unsere Haare zu waschen. Mutig stiefelten wir also zum Bach und gossen uns nacheinander eiskaltes Wasser über den Kopf und wuschen die Haare mit Bio-Seife. Danach waren wir dann aber auch wirklich wach!!!
Zur Krönung dieses wunderbaren Wochenendes gab es dann doch noch Pfannkuchen und zwar mit frischen, selbstgepflückten Blaubeeren. Einfach wunderbar.
Und dann mussten wir auch schon unsere Sachen packen und alles wieder so herrichten, wie wir es vorgefunden hatten. Schade eigentlich. Hatten wir uns doch schnell daran gewöhnt, unsere Wasserflaschen einfach in den Bach zu halten und mit der Zahnbürste im Mund im Wald herum zu laufen. Und auch das Plumpsklo war gar nicht soo schlimm wie befürchtet. Aber es half ja nichts. :)
Mit deutlich leichteren Rucksäcken als auf dem Hinweg (schließlich hatten wir fast alles aufgegessen) machten wir uns auf den Rückweg, der nun, da wir das Gelände kannten, deutlich leichter zu bewältigen war. Nach knapp 2,5 Stunden standen wir wieder an der Bushaltestelle in Soknedal und gegen 19Uhr waren wir zurück in Trondheim mit all den Annehmlichkeiten, die wir gewohnt sind, aber eigentlich gar nicht richtig vermisst haben.
Es war ein tolles, abenteuerliches Wochenende mit einer tollen Gruppe. Ich glaube der Dreck unter meinen Fingernägeln wird mich noch eine Weile dran erinnern :)
Zum Abschluss nochmal ein paar Fotos:
| Das Klohäuschen :) |
Da hier ein Abenteuer das nächste jagt, gibt es bald bestimmt wieder etwas zu berichten!
Bis dahin! Ha det bra!
Annika
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