Mittwoch, 28. November 2012

Zieeeeeeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhhhhhh!

Viele Seiten von Norwegen haben wir nun schon gesehen, viele (kleinere) Gipfel erklommen, einsame Hütten gesucht und gefunden und uns beinahe an die Preise gewöhnt. Ein Punkt auf unsere ToDo-Liste war bisher allerdings noch offen: Wintersport. Wer in einer Wintersportnation wie Norwegen ist, muss sicherlich zwei Dinge tun:
  1. Selbst Wintersport betreiben
  2. Leuten, die es wirklich können, dabei zusehen.
Da uns für ersteres im Moment der Schnee fehlt, haben wir uns letztes Wochenende für zweiteres entschieden und uns auf den weiten Weg nach Lillehammer gemacht. In dem Ort, in dem 1994 die Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden, fand der Saisonauftakt der Skispringer und Nordischen Kombinierer statt.
Geplant war der Ausflug schon ein paar Wochen, das Auto für die 360km und die Hütte für die Übernachtung waren gebucht und die Freude groß. Da in der letzten Uniwoche aber noch einiges anstand und einige von uns bis kurz vor der Abreise noch an verschiedenen Projekten arbeiten mussten, wurde es dann am Ende doch noch mal ein wenig chaotisch. Rechtzeitig waren dann doch die Adressen rausgesucht, der Routenplaner gedruckt und das Auto abgeholt.
Das Auto haben wir bei Sixt gemietet, die hier in Trondheim für Mitglieder des NTNUI (Hochschulsport) extrem günstige Konditionen anbieten. Da wir zu fünft waren und doch eine ordentliche Strecke vor uns hatten, haben wir uns mal was gegönnt und nicht das kleinste Auto bestellt. Geplant war etwas in der Größe eines Ford Mondeo. Der quietschorange Ford Kuga, den wir dann bekamen, war dann nochmal eine Nummer besser und ließ die Vorfreude nochmal steigen. Ich zeig ihn euch mal:



Als Diesel mit 6-Gang Getriebe ließ der Gute sich echt prima fahren. Zu gerne hätte jeder von uns mal richtig aufs Gas gedrückt, um zu sehen was denn tatsächlich in ihm steckt, aber das Norwegen nicht Deutschland ist und die E6 eben nicht mehr als eine Landstraße, mussten wir ziemlich schnell erkennen. In Deutschland hätte man für die 360km wahrscheinlich 3 Stunden eingeplant, aber da darf man ja auch schnell fahren und es gibt Autobahnen. Hier gibt es die E6. Das macht die Wegfindung ziemlich einfach. Wo es nur eine Straße gibt, kann man sich auch nicht verfahren. Und so sind wir Samstagnacht um 4.30h in Moholt vom Parplatz gefahren und waren 6 Stunden später in Lillehammer. Dabei haben wir uns natürlich immer brav an jede noch so sinnlose Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten. Denn den Bußgeldbescheid, den es hier für nur 6km/h zu viel gibt, würden wir wohl noch in ein paar Jahren abbezahlen. :)

In Lillehammer angekommen, fuhren wir direkt zur Hoppanlegg (Skisprunganlage) im Olympiapark. Leider waren wir für das Springen der Nordischen Kombinierer schon zu spät, aber wir konnten direkt in den Shuttlebus einsteigen, der uns nach Sjusjøen zum Langlauf der Kombinierer brachte. Hier lag dann im Gegensatz zu Lillehammer tatsächlich auch Schnee, obwohl wir nur 20 Minuten gefahren waren.
Leider war der Rückstand der Deutschen nach dem Springen schon zu groß um noch in den Kampf um die ersten Plätze einzugreifen, aber vor allem Björn Kircheisen lieferte ein schnelles Rennen über die 10km ab und wurde am Ende 13ter. Es gewann unter dem Jubel der Norweger Magnus Moan, ein Trondheimer. :)


Nach dem Ende des Rennens fuhren wir mit dem Bus zurück zur Skisprungschanze (Lysgårdsbakken), wo kurz darauf der Wettbewerb der Frauen mit dem ersten Durchgang begann. Danach folgte direkt der erste Durchgang der Männer, an dessen Ende Neuling Andreas Wellinger aus Deutschland überraschend in Führung lag. Severin Freund lag auf einem aussichtsreichen dritten Platz.
Uns als deutsche Hardcore-Fans hat das natürlich gefreut. :) Und da es ziemlich leer war im Stadion und außer uns keine deutschen Fans erkennbar waren und wir außerdem so schön "Zzzziiiiiiiiieeeeeeeehhhhhhhhh" schreien konnten, wurden wir bald zum Lieblingsmotiv der Fernsehkameras sobald ein deutscher Springer an der Reihe war. Also schwenkten wir unsere Fahne und jubelten und erfreuten so unsere Lieben zu Hause vor dem Fernseher mit Bildern von uns.
Dass am Ende des zweiten Durchgangs Severin Freund ganz oben auf dem Treppchen stand und Andreas Wellinger einen überragenden fünften Platz belegte, war der krönende Abschluss unseres Wintersporterlebnisses.


Nach dem Ende der Wettbewerbe mussten wir ca. 15km zur der Hütte fahren, in der wir über Nacht bleiben wollten. Die Hütte lag sehr schön in einer Anlage mit Hotel, Campingplatz und einer Reihe weiterer Hütten und war gemütlich und gut ausgestattet.
Vor dem warmen Kamin aßen wir zu Abend und ließen den schönen Tag in Ruhe ausklingen. Da wir alle ziemlich erschöpft waren von dem langen Tag, fielen wir später müde aber zufrieden in unsere Betten.

Am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns nochmal auf den Weg nach Lillehammer. Wir entschieden uns aber gegen das Springen auf der Großschanze am Nachmittag, da ja noch 6 Stunden Heimfahrt vor uns lagen.
Stattdessen besuchten wir das Olympiamuseum. Das Museum war wirklich liebevoll zusammengestellt und informierte über alle bisherigen Olympischen Sommer- und Winterspiele. Zu jeden Spielen gab es Medaillien, Kleidung und andere Erinnerungsstücke zu bestaunen.
Zum Schluss gab es noch eine Sonderausstellung speziell über die Spiele in Lillehammer, bei denen z.B. Dieter Thoma, Jens Weißflog, Christoph Duffner und Hansjörg Jäkle im Teamwettbewerb Gold holten. Das waren noch Zeiten... (Ich war noch im Kindergarten...)



Die Maskottchen von Lillehammer '94
Nach dem Museumsbesuch war es dann aber wirklich an der Zeit die Heimreise anzutreten. Nach knapp 6 Stunden, ziemlichen Temperaturschwankungen auf der Fahrt (im Dovrefjell waren es zum Teil -11°C, in Lillehammer und Trondheim -1°C) und schöner Landschaft, die wir auf der Hinfahrt wegen der Dunkelheit nicht bestaunen konnten, waren wir gegen 19h zurück in Trondheim.
Dank der umfangreichen Berichterstattung ALLER norwegischen Radiosender wussten wir dann auch bestens Bescheid über das packende Pokalfinale zwischen Tromsø und Hødd, das Hødd im Elfmeterschießen als Zweitligist gewann. Schade nur, dass wir nichtmal wissen wo Hødd liegt und es uns auch ziemlich egal ist und wir eigentlich nur Musik hören wollten. :)

Nach dem tollen Wochenende ging es dann mit Lernen los, da nächsten Montag die erste Klausur ansteht. Also war ich jetzt schon zwei Tage im "lesesal" an der Uni und habe gelernt. Leider gehen so die Tage noch schneller vorbei... Dabei haben wir doch noch so viel vor! 

... Davon erzähl ich euch aber beim nächsten Mal.

Gute Nacht!

Annika

Sonntag, 18. November 2012

Ich geh mit meiner Laterne...

Hallo ihr!

Leute wie die Zeit vergeht, eben noch Sommer jetzt tiefster Schmuddel-November. Ja, ihr lest richtig. Wir dachten eigentlich wir hätten den Herbst übersprungen und würden direkt mit herrlichstem Winter weitermachen, aber nun waten wir schon seit einer Woche bei 7°C durch die Matsche und vor lauter Wolken am Himmel wird es gar nicht mehr richtig hell. Also auch nicht in den paar Stunden in denen die Sonne tatsächlich noch da sein sollte. Sonnenuntergang war heute um 15.18h, dass heißt um 16h ist es hier stockdunkel und man hat eigentlich das Gefühl der Tag wäre rum. Mal sehen wo das noch hinführt in den nächsten 5 Wochen.
5 Wochen... 5 Wochen!!! Wisst ihr wie wenig das ist? Und dabei wollen wir doch noch so viel machen! Erstmal ist jetzt allerdings Lernen angesagt. Die kommende Woche ist hier die letzte Vorlesungswoche und danach starten die Prüfungen. Ich mag gar nicht daran denken, dass ich von der wertvollen Zeit, die mir hier noch bleibt, auch noch 2 Wochen in der Bibliothek über meinen Büchern verbringen muss. Hoffentlich kommt dann nicht genau in der Zeit der schönste Schnee. Aber wir werden das Beste drauß machen und die restliche Zeit genießen. Und ein bisschen freuen wir uns ja schon auf zu Hause... So sehr, dass wir letzte Woche das Sankt Martinsfest zum Anlass genommen haben, um mal ein bisschen deutsche Tradition nach Trondheim zu bringen.
Wir haben Laternen gebastelt und sind dann mit unseren Lichtern durch Trondheim gezogen und haben einen wunderschönen Laternenumzug veranstaltet. Insgesamt waren wir zu neunt und leider konnten wir keinen  "Nicht-Deutschen" von unserer Idee überzeugen, aber es war trotzdem super. Am Ziel des Umzugs angekommen, haben wir selbstgebackene Weckmänner (ja, die heißen so!) gegessen und leckeren, aus Deutschland importierten, Glühwein getrunken. Die Fotos die ich gemacht habe, sind leider nicht so gut geworden, aber sie geben euch trotzdem einen kleinen Eindruck.










Mir hat der Abend jedenfalls sehr gut gefallen und die Weckmänner waren so lecker, dass wir zu Nikolaus dann direkt nochmal welche backen, nur um auch ja allen Traditionen gerecht zu werden.

Heute, nur eine Woche später, gab es dann direkt das nächste Highlight. Ungewohnt früh fand heute nämlich eine Weihnachtsfeier (Julebord) statt. Das ganze wurde vom Erasmus Student Network organisiert und für 100 Kronen konnte man mal ein typisch norwegisches Weihnachtsessen genießen. Das wollten Barabara und ich uns nicht entgehen lassen und so schmissen wir uns in das schönste Outfit was wir auf die schnelle auftreiben konnten und kauften ein kleines Wichtelgeschenk für 20 NOK.
Das Dinner fand in der Mensa der Fachhochschule direkt neben dem Studentendorf statt und es waren ca. 100 Studenten da. Die Tische waren hübsch gedeckt und alle hatten sich schick angezogen. Das Essen war dann sehr reichhaltig und sehr lecker. Ich zeig euch mal, gesammelt auf meinem Teller, was es so alles gab:

Also die Karoffeln werdet ihr noch selbst erkennen und den wirklich guten Rotkohl auch. Das gelbe Gemüse auf neun Uhr ist Kohlrabi, ich denke ein paar Möhren waren wohl auch dabei. Das dicke Stück Fleisch in der Mitte ist "ribbe", ein sehr fettiges Stück Schwein mit knuspriger Kruste. Dahinter seht ihr "pinnekjøtt". Dabei handelt es sich um gepökelte Lammrippe. Die beiden verschiedenen Würstchen sind irgendwelche Weihnachtswürstchen. Die hintere schmeckt wie Weißwurst. Dazwischen findet ihr noch "medisterkaker", eine Art Frikadelle. Insgesamt hat alles sehr lecker geschmeckt. Das Ganze ist allerdings auch eine sehr fettige Angelegenheit. Da hätte man den hier üblichen Aquavit zum Nachspülen gut gebrauchen können. Ein Kaffe tat es dann aber auch. :)
Während und nach dem Essen gab es dann noch einige kurze Reden. Traditionell gibt es eine Damen- und eine Herrenrede, jeweils vom anderen Geschlecht gehalten, in denen man im Prinzip das andere Geschlecht über den Himmel lobt und/oder mal ordentlich aufs Korn nimmt. Außerdem gab es noch eine "Danke für das Essen"- Rede.
Nachdem sich vor lauter Essen niemand mehr bewegen konnte, wurden die schon angesprochenen Wichtelgeschenke eingesammelt und anschließend verteilt. Da das Budget mit 20 Kronen schon sehr eingeschränkt war, hatte das Ganze natürlich mehr symbolischen Charakter, aber ich habe mich trotzdem über meine kleine Tasse mit norwegischen Weihnachtswichteln (julenisser) gefreut.
Den krönenden Abschluss für mich bildete die Weihnachtsmusik, die schon den ganzen Abend im Hintergrund lief. Und zwar hatten die Veranstalter Weihnachtslieder aus aller Welt gemischt und abgespielt. (Ja, leider auch "Last Christmas"...) Kurz bevor wir gehen wollten, kam dann "In der Weihnachtsbäckerei" von Rolf Zuckowski. Wir haben uns ziemlich gefreut und kräftig mitgesungen. :)

Jetzt bin ich voll und müde und zufrieden. Morgen muss ich aber mal früher raus und kräftig am Projekt arbeiten. Das muss nämlich bis Mittwoch fertig sein und noch sind wir weit davon entfernt...
Aber da am nächsten Wochenende ja schon wieder ein toller Ausflug ansteht, ist die Motivation doch recht hoch. Wir fahren nämlich mit dem Auto nach Lillehammer zum Skisprung Weltcup und zur Nordischen Kombination! Könnt ja mal im Fernsehn gucken, ob ihr uns seht. Wir winken auch kräftig!

Von Lillehammer berichte ich euch dann beim nächsten Mal. Ach Leute, ich freu mich!

Gute Nacht!


Annika